{"id":991,"date":"2012-01-08T08:04:19","date_gmt":"2012-01-08T06:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gartenakademie.org\/?p=991"},"modified":"2014-01-09T21:21:18","modified_gmt":"2014-01-09T19:21:18","slug":"heinz-dalmuhle-6-6-1953-%e2%80%a0-25-12-2011","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.gartenakademie.org\/?p=991","title":{"rendered":"Heinz Dalm\u00fchle * 6.6.1953 &#8211; \u2020 25.12.2011"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Heinz Dalm\u00fchle * 6.6.1953 &#8211; \u2020 25.12.2011<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Freie Gartenakademie hat einen guten Freund und Berater verloren. Sein Engagement f\u00fcr die Obdachlosenzeitschrift\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.strassenmagazin-draussen.de\/\">&#8222;Drau\u00dfen -Stra\u00dfenmagazin f\u00fcr M\u00fcnster und Umland&#8220;<\/a> und\u00a0 die Tibet-Iniative haben nachhaltige Spuren hinterlassen. Heinz, wir werden dich vermissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.gartenakademie.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4347.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-977 aligncenter\" alt=\"IMG_4347\" src=\"http:\/\/www.gartenakademie.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4347.jpg\" width=\"405\" height=\"269\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Heinz Dalm\u00fchle (links) am 21.6.2006 in der Freien Gartenakademie &#8222;Essbare Landschaft&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.gartenakademie.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gr\u00fcn-f\u00fcr-die-Grossstadt-Heinz-dalm\u00fchle_Seite_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-998 aligncenter\" alt=\"gr\u00fcn f\u00fcr die Grossstadt Heinz dalm\u00fchle_Seite_1\" src=\"http:\/\/www.gartenakademie.org\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/gr\u00fcn-f\u00fcr-die-Grossstadt-Heinz-dalm\u00fchle_Seite_1.jpg\" width=\"392\" height=\"529\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Aus dem Vorwort von Heinz Dalm\u00fchle &#8222;Gr\u00fcn f\u00fcr die Gro\u00dfstadt&#8220; Edition Schangrilla,\u00a0 Haldenwang 1985<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als Stadtkind liebte ich die intensiven Begegnungen mit der wilden Natur auf Tr\u00fcmmergrundst\u00fccken, auf brachliegendem Baugel\u00e4nde oder in sch\u00f6nen alten G\u00e4rten. Ich sch\u00e4tzte sie sehr &#8211; im Gegensatz zu meinem Schulweg, entlang einer stinkenden l\u00e4rmenden Stra\u00dfe und den staubig grauen H\u00e4userfluchten. Sp\u00e4ter tr\u00e4umte ich von alternativen Landkommunen und Flower- Power oder einer gr\u00fcnen Insel im Stillen Ozean, bis ich endlich erkannte, da\u00df ich meine gr\u00fcnen Tr\u00e4ume hier, zu Hause, verwirklichen mu\u00df, damit auch meine Kinder noch unter B\u00e4umen tr\u00e4umen k\u00f6nnen &#8211; nicht zwischen Hydrokulturk\u00fcbeln und pflegefreien Plastikblumen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Beim n\u00e4heren Hinschauen konnte ich schnell feststellen, da\u00df die Pflanzenwelt uns nicht nur vieles gibt, was wir zum Leben brauchen, wie Nahrung, Sauerstoff, Heizmaterial und Humus, sondern, da\u00df die Pflanzen uns auch in vielen Lebenssituationen Partner und Hilfen sind, auf die ich nicht mehr verzichten m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Heilkr\u00e4uter k\u00f6nnen uns helfen, unsere Gesundheit zu erhalten oder, wenn n\u00f6tig, wiederherzustellen. Wie oft haben Blumen uns schon geholfen, wenn wir Kontakt zu unseren Mitmenschen suchten oder um ihre Liebe geworben haben? Und wieviel d\u00fcstere Mienen haben sich schon beim Anblick einer Bl\u00fcte aufgehellt? Es gibt also viele gute Gr\u00fcnde, sich mit den Pflanzen zu besch\u00e4ftigen und ihnen in unserem Bewu\u00dftsein und in unseren St\u00e4dten wieder einen geb\u00fchrenden Platz einzur\u00e4umen &#8211; aber wie?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Schon vor mir haben viele Autoren ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Natur in der Stadt gehalten. Bereits vor hundert Jahren war der st\u00e4dtische Grund und Boden so stark \u00fcberbaut, da\u00df kaum noch Platz f\u00fcr un\u00f6konomisch genutzte freie Gr\u00fcnfl\u00e4chen blieb. Seit dieser Zeit spielt das &#8222;Stadt-Gr\u00fcn&#8220; eine wichtige Rolle bei allen st\u00e4dtebaulichen Reformversuchen. Schreberg\u00e4rten, Reformh\u00e4user und die Jugendbewegung von 1885 finden heute ihre Weiterf\u00fchrung in Umweltschutz, alternativen Biol\u00e4den und gr\u00fcnen Parteien. Unter der gr\u00fcnen Flagge sammeln sich heute gleicherma\u00dfen Kritiker der Industriegesellschaft wie Kritiker der Unwirtlichkeit und Unmenschlichkeit unserer St\u00e4dte. Fr\u00fcher h\u00e4tten dieselben eher die Landflucht angetreten, doch heute sind vergiftete Felder und sterbende W\u00e4lder keine wahre Alternative mehr zum Stadtleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir m\u00fcssen jetzt unsere St\u00e4dte begr\u00fcnen, um damit das Stadtklima zu verbessern &#8211; bevor der gro\u00dfe Smog kommt. Auch die &#8222;Natur&#8220; in der Stadt mu\u00df dringend gef\u00f6rdert und gesch\u00fctzt werden, weil sie lebenswichtig f\u00fcr uns ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit diesem Buch m\u00f6chte ich meinen bescheidenen Anteil zu einer Entwicklung in diese Richtung beitragen. Ich tue das, indem ich einige M\u00f6glichkeiten aufzeige, die jeder nutzen kann, um sich mit etwas mehr Gr\u00fcn zu umgeben. Welche Pflanzen sich eignen, um die Wohnung, die Hausfassade, den Balkon, die Terrasse oder das Dach zu begr\u00fcnen, und zu welchen weiteren Zwecken wir diese Pflanzen noch nutzen k\u00f6nnen, dazu m\u00f6chte ich einige praktische Tips geben. Wenn jeder bei sich zu Hause beginnt, ist schon viel getan. Es ist aber auch wichtig, mit dem Nachbarn zu reden und vor allem unseren Politikern deutlich zu zeigen, was wir wirklich wollen. Jede neue Bebauung, jede weitere Stra\u00dfe, wird den nat\u00fcrlichen Freiraum einer Stadt unwiederbringlich verkleinern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Leider wird noch immer zugunsten einer \u00f6konomischen Nutzung entschieden &#8211; statt den Interessen der B\u00fcrger und den Einsichten der Umweltsch\u00fctzer Raum zu geben. Doch die gr\u00fcne \u00f6kologische Bewegung wird als politische Kraft weiter an Boden gewinnen, denn das Verantwortungsbewu\u00dftsein und der Mut der B\u00fcrger zu sinnvollem Widerstand gegen den \u00b7 Ausverkauf unserer Erde nimmt st\u00e4ndig zu. Die in den letzten Jahrhunderten g\u00fcltig gewordenen Werte m\u00fcssen heute wieder ver\u00e4ndert und abgel\u00f6st werden von einem harmonischen Miteinander zwischen Mensch, Tier und Pflanze. Es darf nicht mehr vorkommen, da\u00df Abertausende von Lebewesen get\u00f6tet oder aus ihrem Lebensraum vertrieben werden, wenn eine Hecke, ein Bach oder eine Wiese f\u00fcr Stra\u00dfenverbreiterung oder Neubebauung weichen m\u00fcssen. Wir sollten mehr Respekt vor der Natur und den dort lebenden Wesen entwickeln, und lernen, in allem Leben in der Natur die ihm zustehende Berechtigung zu sehen, es zu akzeptieren, statt es zu bek\u00e4mpfen, weil es uns fremd und daher bedrohlich vorkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wir m\u00fcssen in jeder Beziehung toleranter werden &#8211; gleicherma\u00dfen zu unseren Mitmenschen wie gegen\u00fcber den schutzbed\u00fcrftigen kleinen Lebewesen und der schon reichlich dezimierten Wildpflanzenwelt. Also grunds\u00e4tzlich: Es gibt keine Unkr\u00e4uter, Ungr\u00e4ser, Unstr\u00e4ucher, Unb\u00e4ume, Ungeziefer, Untiere oder Unmenschen. Wir alle leben: nebeneinander, miteinander, f\u00fcreinander.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wir sollten also endlich aufh\u00f6ren, jedes sp\u00e4rlich sprie\u00dfende Gr\u00fcn zwischen Plattenfugen, das wir nicht kennen, gleich mit Unkrautvernichtungsspray auszurotten und alles, was klein ist und krabbelt, mit Gift zu vernichten, nur damit alles ordentlich und sauber ist, damit es einem falschen Reinheitsideal entspricht, pflegeleicht ist. Die Monotonie der meisten Stadtg\u00e4rten mit pflegeleichtem Gr\u00fcnteppich, unkrautfrei, eingefa\u00dft von Bodendeckern, einer Gruppe immergr\u00fcner Nadelgeh\u00f6lze und dem obligatorischen Rosenbeet. Steril und \u00f6kologisch tot passen sie sich in ihrer Einfallslosigkeit der trostlosen Architektur der meisten Stra\u00dfenz\u00fcge an.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In noch st\u00e4rkerem Ma\u00dfe gilt es, in der Nutzung von \u00f6ffentlichen Gr\u00fcnanlagen umzudenken, die H\u00fcrden von vorgefa\u00dften Meinungen und Traditionen zu durchbrechen. Das \u00f6ffentliche Stadtgr\u00fcn wird von den B\u00fcrgern oft gar nicht oder nur wenig genutzt, weil es in keiner Weise ihren Bed\u00fcrfnissen entspricht. Kurzgeschorener Rasen mit vereinzelt freistehenden B\u00e4umen entspricht eher den Bed\u00fcrfnissen von Hunden, die davon reichlich Gebrauch machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auch begr\u00fcnte Verkehrsinseln laden nicht gerade zum Verweilen ein, und so ist \u00f6ffentliches Stadtgr\u00fcn selten mehr als ein dekoratives Feigenblatt f\u00fcr die groben architektonischen Ausrutscher und st\u00e4dtebaulichen Fehlplanungen. B\u00fcrgerparks und \u00f6ffentliche Gr\u00fcnfl\u00e4chen sollten von den B\u00fcrgern nicht nur betreten, sondern auch wirklich f\u00fcr Freizeit, Erholung, Sport, Spiel, Kommunikation und die Begegnung mit der Natur genutzt werden. Sollen doch Mensch, Tier und Pflanze, die die Gr\u00fcnfl\u00e4che beleben, diese selbst gestalten!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die B\u00fcrger k\u00f6nnten ihre Freizeit besser mit Stadtg\u00e4rtnern im Park verbringen, als von einsamen Parkb\u00e4nken auf die s\u00e4uberlichen Stiefm\u00fctterchenrabatten neben der trostlosen Rasenfl\u00e4che zu starren. Da die Stadtplaner offensichtlich nicht in der Lage sind, den B\u00fcrgerbed\u00fcrfnissen gerecht zu werden und die Beh\u00f6rden versagen, greifen B\u00fcrger zur Selbsthilfe, manchmal am Rande der Legalit\u00e4t. Es gibt aber auch Alternativen, die Mut machen, wie die Anlage von \u00f6kologischen Schulg\u00e4rten, Waldlehrpfaden und Geb\u00e4udebegr\u00fcnungen. Das Hoffnungsvollste aber sind die vielen Privatinitiativen, die wilde G\u00e4rten anlegen und Hecken, B\u00e4ume und Gr\u00e4ben sch\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zwar sind tiefere Einsichten in \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge notwendig, um das Engagement nicht zu einer Mode werden zu lassen, aber es gibt Anzeichen f\u00fcr einen wirklich tiefen Bewu\u00dftseinswandel, und er beginnt mit dem Blumentopf auf Ihrer Fensterbank &#8230;.\u00a0\u00a0 <strong>Heinz Dalm\u00fchle 1985<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz Dalm\u00fchle * 6.6.1953 &#8211; \u2020 25.12.2011 Die Freie Gartenakademie hat einen guten Freund und Berater verloren. 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