Roger Trash * 29.5.1959 – † 31.08.2011

Roger Trash war kein Gartenmensch, obwohl er immer mit dem Gedanken an einen eigenen Garten spielte, aber die Bühne  war sein anderer großer Garten und  er umhegte Musik und Worte in aller Leidenschaft. Er hat den Rock´n ´Roll gelebt wie keine anderer.

Im Magazin „Schöne Aussichten“ Nr. 4/ 2007 schrieb Uwe Paulsen: „Und wer ihn zuletzt bei seinem Auftritt bei der 2. Freien Gartenakademie von Wilm Weppelmann bewundern konnte, weiß: Trash ist selbst eine wunderbare Pflanze, bietet Vitamine für Ohren, Augen und Geist.“

Roger, wir vermissen dich.

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26.7.2007   Roger Trash bei den Proben zu „Siggi Stardust in the Garden – Eine phantastische Leserevue” in der 2. Freien Gartenakademie 2007

Dieser Text von Charles Bukowski stand in der Todesanzeige:
Also pass auf, wenn ich sterbe, will ich keine Tränen,
sieh nur zu, dass ich abgeräumt werde,
ich hatte ein erfülltes Leben,
und wenn überhaupt einer eine Startvorgabe hatte, dann ich.
Ich hatte sieben oder acht Leben in einem. Mehr kann man nicht wollen.
Am Ende sind wir alle gleich also bitte keine Reden
es sei denn, du willst sagen:
Er wettete auf Pferde und darauf verstand er sich sehr gut.
Du bist nach mir dran,
und ich weiß schon jetzt etwas das du nicht weißt.
Vielleicht.
(Charles Bukowski)

Zeitungsartikel  von Sabine Müller erschienen in der „Münsterschen Zeitung“ im September 2011

Glückauf zum Abschied

Der münstersche Musiker Roger Trash starb mit 52 Jahren

MÜNSTER. Er verabschiedet sich in der Todesanzeige mit einem Gedicht von Charles Bukowski. Es ist beim Lesen, als höre man die raue, von vielen so geliebte Stimme: „Also pass auf, wenn ich sterbe, will ich keine Tränen, sieh nur zu, dass ich abgeräumt werde, ich hatte ein erfülltes Leben .•.“  Roger Trash ist tot. Der münstersche Musiker starb am 31. August mit 52 Jahren nach langer Krankheit.

Der Soundtrack seines Lebens war der Rock’n’Roll. Seine Songs waren manchmal rau wie seine Stimme, einfach und klar, ungekünstelt. „Ich bin kein Literat, ich bin kein Schöngeist, kein Intellektueller“, sagte er einmal in einem Interview. ,,Ich kenne das Geheimnis des 4. Akkordes. Ich beobachte die Menschen.“ Er war ein „Held, dem man auch mal ein Bier ausgeben darf‘, schrieb ein Kritiker-Kollege. Ein anderer Kollege unserer Zeitung lobte seine besondere Poesie: „Roger Trash gibt der deutschen Pop-Sprache ihre Seele zuriick.“

Roger Trash Dewald wurde 1959 in Diepholz geboren, kam 1966 nach Münster, verließ das Wilhelm-Hittorf-Gymnasium ohne Abitur und schlug sich mit Jobs durch – als Fensterputzer, Sex-ShopVerkäufer, Kirmesboxer sowie mit ,,kleinen Exkursionen als Frauenheld“, so steht es in seiner Vita. Dort steht auch: „Seit 1976 Rockmusiker.“

Er spielt als Bassist bei Peter Burschs Bröselmaschine, er textet und komponiert eigene Songs, geht auf zahlreiche Tourneen, vor allem mit seiner eigenen Band .,.The wild Lovers“, spielt CDs ein, die ihn bundesweit bekannt machen. 1997 erscheint sein erstes deutsches Album: „Rohstoff“. Er schreibt auch zwei Bücher: „Traumjob … Bekenntnisse eines Rock ’n‘ Rollers“ und ,,Der Erlebnismillionär“. Er spricht sein Hörbuch „Spät geworden gestern“ ein, geht als Solokünsder auf Tour, zitiert Bukowski und Johnny Cash, spielt eine Rio-Reiser-Songrevue. In Münster schlüpft er in einem Theaterstück in die Rolle des „Ostcowboys“, des „Roten Elvis“ Dean Reed – und setzt ihm damit ein Denkmal.

Der Cowboy – der passte auch zu ihm. „Landstreichler“ nannte er sich. „Ich liebe das Leben und kenne den Geruch des Scheiterns“, sagte er. Immer mit ein wenig Melancholie im Blick. Aber auch immer etwas verschmitzt.

Die tückische Krankheit

Roger Trash machte keinen Hehl aus seiner Krankheit. Er veröffentlichte den Schicksalsschlag vor zwei Jahren auch auf seiner Homepage: Er war an Leukämie erkrankt. Nach einer Knochenmarktransplantation ging es kurz bergauf, er gab auch wieder Konzerte. Vor gut einem Jahr an einem kuriosen Ort: Er spielte im Wartehäuschen auf einem Gleis in Münsters Bahnhof beim Projekt Sozialpalast. Doch die Krankheit war tückisch. Sie kehrte zurück.

Sein letztes Album erschien 2009: „Liebe & Desaster“. „Irgendwas geht immer“, heißt ein Song darauf. Eines seiner letzten Lieder veröffentlichte er auf seiner Internetseite. „Glückauf!“ Er singt: „Es ist schön, hier zu sein, so langsam wird die Nacht jetzt heller.“

Die Trauerfeier wird am Dienstag (6. September) um 13.30 Uhr in der Kapelle des Waldfriedhofs Lauheide stattfinden. Seine Band wird spielen, erzählt seine Lebensgefährtin Rita Roring. Das hatte er sich gewünscht. Er wünschte sich auch, dass viele Freunde und Wegbegleiter dabei sind. Er sei so lange in der Welt herumgereist und habe alle besucht, jetzt sollten alle zu ihm kommen. „Er hat sein Leben bis zum letzten Atemzug konsequent gelebt“, sagt sie. „Und sitzt jetzt wahrscheinlich irgendwo und guckt zu. Bei einem Glas Rotwein.“

Sabine Müller / Münstersche Zeitung

Fotografien: Wilm Weppelmann – alle Recht vorbehalten

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