Die Freie Gartenakademie lädt Sie in diesem Jahr ein, die Faszination und die fremde Nähe Japans zu erspüren und Ihrem eigenen Verständnis von Natur und Kultur irritierende neue Aspekte und Ideen hinzuzufügen. Eine Reise von fast 9000 km – aber doch wieder zurück zu den eigenen Wurzeln. Mehr als 20 Abende mit Lesungen, Vorträgen und Konzerten warten auf Ihre Neugier, mit einem Programm für alle, aber nicht für jeden. Yôkoso irasshaimashita – Herzlich Willkommen in der 8. Freien Gartenakademie 2013.

第8回フライエ・ガルテンアカデミー2013 ミュンスター ~ 文化が育つ場所
自然という文化 - 日本へのアプローチ

Vorderseite klein

Die 8. Freie Gartenakademie 2013

„Ungesäte Saat geht nicht auf  蒔かぬ種は生えぬ。 Makanu tane wa haenu“ Japanisches Sprichwort

Die Kultur der Natur – Näherungen Japan

Die Freie Gartenakademie lädt Sie in diesem Jahr ein, die Faszination und die fremde Nähe Japans zu erspüren und Ihrem eigenen Verständnis von Natur und Kultur irritierende neue Aspekte und Ideen hinzuzufügen. Eine Reise von fast 9000 km – aber doch wieder zurück zu den eigenen Wurzeln. Mehr als 20 Abende mit Lesungen, Vorträgen und Konzerten warten auf Ihre Neugier, mit einem Programm für alle, aber nicht für jeden. Yôkoso irasshaimashita – Herzlich Willkommen in der 8. Freien Gartenakademie 2013.

Über kaum ein anderes Land sind derartig viele Klischees und Stereotypen im Umlauf wie Japan – ein faszinierendes Dickicht der unterschiedlichsten Bilder umwuchert jegliche ernsthafte Wahrnehmung.  Es will scheinbar nicht gelingen, sich eine eindeutige Vorstellung von diesem Land zu machen, denn der wilde Kontrast, der schreiende Gegensatz, der überraschende Widerspruch und das Paradoxe scheinen hier Programm zu sein.  Japan lebt im heute, aber trotzdem hat alles Vergangene eine eigentümliche Gegenwart.  Ritual und  Individualität, Kimono und Cosplay, Pachinko und Go, Nihonjinron und Superflat, Karaoke und Utaimono, Kabuki  und Takarazuka, Mingei und Hightech leben nebeneinander und wachsen vielfach aus den gleichen Quellen.

Die 8. Freie Gartenakademie 2013 geht auf eine Spurensuche durch die Kultur, die Geschichte, die Mythen und Gegenwart eines Landes. Die japanische Kultur hat schon immer europäische Kulturschaffende und Wissenschaftler angeregt in eine intensive Auseinandersetzung einzusteigen. Sie fungieren hier als Mittler zwischen Ost und West als Brücke zwischen den Kulturen und präsentieren ihre Erfahrungen und Inspirationen in der Freien Gartenakademie.

Gerade die Naturnähe und zugleich Naturferne der japanischen Gesellschaft hat für den Mitteleuropäer eine rätselhafte Dimension und Unverständlichkeit. Die 8. Freie Gartenakademie 2013 fördert eine besondere Auseinandersetzung mit dem Naturbegriff.  Fragen über den Begriff der Natur und über das Verhältnis des Menschen zu ihr sind gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Japan wichtig und entscheidend für das Selbstverständnis des Menschen.

Dieses Land hat in den letzten Jahren einen drastischen Schnitt in seinem Selbstbild erfahren. Fukushima und Wirtschaftskrise veränderten und verändern das innere Wesen und soziale System des Landes. Die Freie Gartenakademie gewährt Einblicke und Rückblicke in die japanische Kulturlandschaft. Die Freie Gartenakademie folgt dem Lärm der Metastadt Tokio und überlässt sich auch der Stille eines japanischen Zen-Gartens.

Wenn man sich mit der Entwicklung japanischer Kultur und ihrer spezifischen Ausprägung beschäftigt, stößt man unmittelbar auf die sehr eigene, tief mit dem Land verwurzelte Gartenbaukunst. In ihr kann eine Art Bindeglied zwischen innerer Gesellschaftsstruktur, ihrer Philosophie und Religion und damit deren allgemeine Einordnung des Menschen im kosmischen Gefüge gesehen werden. Diese Einordnung wird dadurch ermöglicht, dass sich im Wesen eines japanischen Gartens das Naturverständnis der Menschen widerspiegelt.

Das vollständige Programm der 8. Freien Gartenakademie 2013 wird im Mai 2013 veröffentlicht. Wir bitten noch um ein wenig Geduld.

 

Zum Naturbegriff und Japan – Zitate und Literatur

„Das Wesen  der Natur besteht in der Tatsache der unmittelbaren Erfahrung, in der Subjekt und Objekt noch nicht gespalten sind.“ Nishida Kitarō (1870-1945), der Impulsgeber der modernen japanischen Philosophie,  sah seine große Aufgabe darin die abendländische Subjekt-Objekt-Spaltung philosophisch zu überwinden. „Wenn wir eine Blume angeschaut haben, sind wir die Blume geworden.“

„Das Verhältnis von Mensch und Natur ist bei den Japanern nicht wie im Westen durch den Imperativ sich die Erde Untertan zu machen geprägt, sondern umgekehrt.“ Matthias Hildebrandt: Politische Kultur und Zivilreligion. Würzburg 1996, S. 142

„Das Verhältnis der Japaner zur Natur ist ein unmittelbares, in dem der Mensch nicht dominierende Stellung als Krone der Schöpfung einnimmt. Im ostasiatischen Kulturraum fühlt sich der Mensch als Teil der Natur, eingebunden in den Kosmos, jedem Wesen gleich nahe, gleich weit entfernt, selbst dann noch, wenn bestimmte religiöse Vorstellungen eine kosmologische Stufenordnung aufgestellt haben. Ist der Mensch ein Teil der Natur, so ist auch die Natur ein Teil des Menschen, dies ermöglicht es, sie als einen Teil von sich selbst zu gestalten, und sie bleibt denoch Natur.“  Irmtraud Schaarschmidt-Richter: Gartenkunst in Japan. München 1999, S. 13

weitere Literatur:

  • Iku Hori: Sehnsucht nach Lebendigkeit – das Problem der „Natur“ im europäischen und japanischen Denken; eine interkulturelle philosophische Vergleichsanalyse. Würzburg 2007
  • Morita, Takashi: Ueber den Naturbegriff als Hintergrund der japanischen Kultur. In: Pädagogische Rundschau  – 44 (1990) 6, S. 645-654
  • Ryogi Okochi: Natur und Shizen/Jinen.  Lingua ac Communitas Vol 9 (October 1999)
  • Steineck, C.: Vormoderne ostasiatische Naturbegriffe und ihre ethische Bedeutung. in: Fischer, Michael (Hrsg.):  Die Kulturabhängigkeit von Begriffen. Frankfurt am Main 2010, S. 27-36.
  • Sloterdijk,Peter: „Das Ende des nuklearen Feuers“ im Magazin „Cicero“ Ausgabe 04.2011
  • Koschorke, Albrecht: Zur Epistemologie der Natur/Kultur-Grenze und zu ihren disziplinären Folgen. in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte ; 83 (2009), 1. – S. 9-24

 

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