Die Eröffnung der 8. Freien Gartenakademie 2013 „Die Kultur der Natur – Näherungen Japan“

1. Sa 15.6.2013 #  20 Uhr „Frösche und Bildschirmflimmern“ – der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit /Berlin zum 250. Geburtstag des japanischen Haiku-Dichters Kobayashi Issa

Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Irmela_Hijiya-Kirschnereit
http://de.wikipedia.org/wiki/Kobayashi_Issa
http://de.wikipedia.org/wiki/Haiku

„Frösche und Bildschirmflimmern : Zum 250. Geburtstag des Haiku-Dichters Kobayashi Issa“  von Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit

Wenn es neben Kameras und Transistoren, Automobilen und Spielkonsolen etwas gibt, das in weiten Teilen der Welt untrennbar mit dem Land Japan assoziiert wird, so ist es die japanische Gedichtform Haiku. Das Haiku ist, mit anderen Worten, vielleicht vergleichbar nur noch den ebenfalls seit dem späten 19. Jahrhundert im westlichen Ausland begeistert rezipierten Holzschnitten, das bedeutendste japanische Exportgut im Bereich der Kultur – bedeutend in dem Sinne, daß es in vielen Ländern das bekannteste, im allgemeinen Bildungsschatz verankerte, japanische Kulturgenre darstellt und damit auch das Bild Japans entscheidend mitbestimmt. Auch wenn in jüngster Zeit die japanische Populärkultur mit Manga und Anime diesen Eindruck zu überlagern scheint, behauptet sich das Haiku allem Anschein nach auch weiterhin als im Alltag vieler Kulturen verankerte japanische Kunstform.

Was haben Gärten, Kurzgedichte und ein 250. Geburtstag miteinander zu tun? Der Vortrag soll diesen Zusammenhang auf kurzweilige Weise erläutern. Gefeiert wird ein bekannter japanischer Haiku-Dichter, Kobayashi Issa, der am 15. Juni 1763 in der japanischen Provinz, nahe am Japanischen Meer, geboren wurde, in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und dessen Leben bis zu seinem Tod im Alter von 62 Jahren von viel Leid bestimmt war. Dennoch zählt er zu den „Großen Vier“ der japanischen Haiku-Dichtkunst und hat gerade auch wegen seiner heiteren Gelassenheit und seines Humors eine große Anhängerschaft in Japan und anderswo. Spricht Issa auch heute noch zu uns? Kann er uns anrühren?

Zugleich soll es aber auch darum gehen zu zeigen, was ein Haiku ist und was es sein kann. Wie erklärt sich die Attraktivität dieser kurzen Form, die Tatsache,

dass sie auch heute noch in Japan viele Millionen praktizierender Anhänger hat? Ja mehr noch, das Haiku hat sich globalisiert und ist auch hierzulande bei Literatur- und Lyrikliebhabern bekannt. Wie war, wie ist das möglich? – Anhand zahlreicher Beispiele aus dem Japanischen – und eines Seitenblicks auf das künstlerische Potential der Form im Deutschen am Beispiel von Durs Grünbein – bieten sich überraschende Einblicke: Haiku auf dem Gipfel der Kunst, Haiku als polizeiliche Ermahnung, als Werbespruch und als Lebensbewältigung. Und das alles vor dem Hintergrund der Frage, wie universal diese Form ist und welches Naturverständnis  („Garten“!) sich mit ihr verbindet.

 Im Anschluss an den ca. 40minütigen Vortrag bietet sich Gelegenheit zum Fragen und zum Gedankenaustausch.

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Hijiya-Kirschnereit, Prof. Dr. Irmela;  seit 1991 Professorin für Japanologie (Literatur- und Kulturwissenschaft) sowie seit 2010 Direktorin der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für Literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin, zuvor von 1985 bis 1986 Professorin für Japanische Literatur und Literatursoziologie an der Staatlichen Hitotsubashi Universität, Tokyo, sowie von 1986 bis 1991 Professorin für Gegenwartsbezogene Japanologie an der Universität Trier. Von 1996 bis 2004 Direktorin des Deutschen Instituts für Japanstudien, Tokyo. Forschungsschwerpunkte: Japanische Literatur der Moderne und Gegenwart, Komparatistik, Sprachsoziologie, Kultursemiotik, Kulinaristik, Methodologie und Wissenschaftsgeschichte der Japanforschung. Herausgeberin der Reihen Japanische Bibliothek (Insel Verlag, 34 Bände, 1993-2000) sowie Iaponia Insula: Studien zu Kultur und Gesellschaft Japans (Iudicium Verlag, bisher 28 Bände).

Preise u.a.: Leibniz-Preis der DFG 1992.

Buchpublikationen u.a.: Selbstentblößungsrituale: Zur Theorie und Geschichte der autobiographischen Gattung Shishōsetsu in der modernen japanischen Literatur. Mit einem Vorwort zur Neuausgabe. München 2005 (1. Aufl. Wiesbaden 1981) jap. Übersetzung Tokyo 1992; engl. Übersetzung Cambridge 1996.  Japanische Gegenwartsliteratur: Ein Handbuch. München 2000. Ausgekochtes Wunderland: Japanische Literatur lesen. München 2008. Yukio Mishima: Poetik, Performanz, Politik. Hg. mit G. Bierwirth, München 2010. Kulturbeziehungen zwischen Japan und dem Westen seit 1853: Eine annotierte Bibliographie. Hg., München 1999. Canon and Identity: Japanese Modernization Reconsidered – Transcultural Perspectives. Hg., München 2000. Eine gewisse Farbe der Fremdheit: Aspekte des Übersetzens Japanisch-Deutsch-Japanisch. München 2001. 

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