Sonntag 21.7.2019 19 Uhr Klaus Bender & Manfred Lucenz (Bedburg-Hau) Vortrag „Nachbars Gärten – Niederländische und deutsche Gartenkultur in ihren Wechselwirkungen“

Die Gartenkultur in den beiden Nachbarländern Niederlande und Deutschland hat eine Jahrhunderte zurückliegende Tradition der wechselseitigen Beeinflussung. Ein Bruch in diesen Beziehungen fand erst Anfang des 20.Jahrhunderts statt. Wir erleben erst jetzt wieder ein Anknüpfen an diese Tradtion der gewachsenen Beziehungen.

Manfred Lucenz und Klaus Bender gärtnern seit fast dreißig Jahren in ihrem 4000 m² großen Garten am Niederrhein, der durch zahlreiche Zeitschriftenbeiträge und Fernsehsendungen bekannt geworden ist. Zahlreiche Gartenbücher entstammen aus ihrer Feder. 

Manfred Lucenz und Klaus Bender – Foto: Marion Nickig

Auszug aus ihrem Vortrag:

Schon Erasmus von Rotterdam träumt 1528 von einem idealen Garten und seine Ideen haben noch bis ins 17.Jh. die Gartengestaltung Mitteleuropas geprägt. Eine Generation später war es Carolus Clusius, der durch die Einführung der Tulpe in die Gartenkultur Mitteleuropas bekannt wurde. Zunächst in Wien am Kaiserhof tätig, übernahm er im Alter eine Professur an der aufstrebenden Universität Leiden und legte dort einen botanischen Garten an. Durch seine Impulse wurde Holland zum Tulpenland. Nach dem 30jährigen Krieg wurde der luxuriöse Landsitz des Statthalters Frederik-Hendrik in Honslaarsdijk zum Vorbild für viele mittel- und norddeutsche Schlossgärten. In Kleve schuf Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen als Statthalter des Großen Kurfürsten einen einmaligen Landschaftspark, der kein Schloss zum Mittelpunkt hatte.

Im 19. Jahrhundert ist Carl-Eduard Petzold zu nennen, der 1831 als Lehrling beim Fürsten Pückler in Muskau begonnen hatte. Als der niederländische Prinz Schloss und Park Muskau kaufte, wurde er zum Direktor des Muskauer Parks. In der Folgezeit gestaltete Petzold viele Parkanlagen in den Niederlanden, so auch Huis Bingerden bei Arnhem und zuletzt den Park von Schloss Twickel bei Deldam.

Ein anderes Beispiel für Wechselbeziehungen in der Gartenkultur ist mit dem Namen Philipp-Franz von Siebold verbunden. Im niederländischen Auftrag gelingt es ihm, aus dem für Ausländer hermetisch abgeschlossenen Japan auf abenteuerliche Weise viele Pflanzen zu schmuggeln, unter anderem in eisenhaltigen Lehm verpackte Teesaat – und schon nach fünf Jahren gab es zahlreiche Teeplantagen auf Java.

Im 20. Jahrhundert ist es Karl Foerster in Potsdam, dessen züchterische und schriftstellerische Arbeit in den Niederlanden beachtet wird. Ein Lehrling in Potsdam war Ernst Pagels, bei dem Piet Oudolf entscheidende Impulse für seine Gartengestaltung erhielt. Man kann also den weltberühmten Gartendesigner Oudolf als „gärtnerischen Enkel“ von Karl Foerster bezeichnen.

 

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